BSI: Cyberkriminelle Schattenwirtschaft professionalisiert sich weiter
Das Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI) ist die Cyber-Sicherheitsbehörde des Bundes. Ihre Aufgabe ist es, Deutschland digital sicher zu machen.
Wie jedes Jahr legt das Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI) mit seinem Bericht zur Lage der IT-Sicherheit in Deutschland einen umfassenden und fundierten Überblick über die Bedrohungen Deutschlands, seiner Bürger:innen und seiner Wirtschaft im Cyber-Raum vor.
Wenn man sich als interessierter Leser mit dem jährlichen Bericht des BSI auseinandersetzt, konnte man in den letzzten Jahren folgenden Satz als Einleitung lesen: „Die Bedrohung im Cyberraum ist so hoch wie nie zuvor. „
Der Grund für diesen sich seit Jahren wiederholenden Satz liegt bei genauerer Lektüre des Berichts nicht darin begründet, dass das BSI die Schlagzeilen des Vorberichtsjahres aus fehlender „Kreativität“ abschreibt. Der Grund ist vielmehr der, dass genau dies passiert. Jedes Jahr ist die Bedrohung ein ganzes Stück größer als im Vorjahr. Die Angriffe breiter, die Methoden professioneller und ausgefeilter.
Die IT-Sicherheitslage in Deutschland bleibt weiter angespannt, geprägt von zunehmend ausgefeilten und vielfältigen Bedrohungen im Cyberraum. Der aktuelle Bericht beleuchtet zentrale Entwicklungen und Herausforderungen:
Cyberkriminalität: Professionalisierung und neue Ansätze
- Arbeitsteilung in der Cyberkriminalität: Die Schattenwirtschaft im Bereich der Ransomware-Angriffe entwickelt sich weiter arbeitsteilig. Neben den Ransomware-Betreibern treten Affiliates und Access Broker auf, die spezifische Funktionen im Angriff übernehmen.
- Alternative Methoden der Erpressung: Angreifer nutzen vermehrt Zero-Day-Schwachstellen, um sensible Daten zu exfiltrieren und Lösegelder allein durch die Drohung der Veröffentlichung zu erpressen – ohne Ransomware einzusetzen.
- Zielgruppen: Hauptopfer sind kleine und mittlere Unternehmen, IT-Dienstleister sowie Kommunen.
Cyberspionage und -sabotage: Einfache Angriffe mit großer Wirkung
- Angriffe auf Perimetersysteme: Einfache, aber effektive Techniken werden verstärkt eingesetzt.
- DDoS-Angriffe und Propaganda: Im Kontext geopolitischer Konflikte nutzen Angreifer Distributed-Denial-of-Service-Angriffe (DDoS) gezielt für Propaganda. Durch übertriebene Darstellungen in sozialen Medien wird versucht, gesellschaftliche Verunsicherung zu schüren.
Positiver Trend: Stärkere Resilienz
- Erfolge bei der Strafverfolgung: Internationale Takedowns von Malware-Infrastrukturen haben das Wachstum neuer Schadsoftware verlangsamt.
- Bewusstsein für Schutzmaßnahmen: Die Cyberresilienz in Deutschland wächst, jedoch bleibt die Herausforderung bestehen, sich gegen stetig neue Angriffsvektoren zu schützen.
Handlungsbedarf: Schutzmaßnahmen für eine digitalisierte Gesellschaft
- Zunahme der Angriffsfläche: Mit der fortschreitenden Digitalisierung steigt auch das Potenzial für Angriffe. Historisch gewachsene IT-Landschaften stellen dabei eine besondere Herausforderung dar.
- Rolle von Unternehmen und Institutionen: Organisationen aller Art – von Behörden über Unternehmen bis hin zu Einzelunternehmern – müssen ihre Angriffsflächen identifizieren und geeignete Sicherheitsmaßnahmen ergreifen.
Die IT-Sicherheitslage zeigt eine zunehmende Komplexität, die sowohl innovative Angriffsstrategien als auch gestärkte Verteidigungsmechanismen umfasst. Um langfristig widerstandsfähig zu bleiben, hält das BSI einen ganzheitlichen Ansatz im Umgang mit IT-Sicherheit erforderlich.
(Foto: Gorodenkoff – stock.adobe.com)
Letztes Update:30.11.24
Verwandte Produkte
Das könnte Sie auch interessieren
-
Umgang mit E-Mail-Postfächern bei Abwesenheit und Ausscheiden von Beschäftigten
Der Umgang mit personalisierten E-Mail-Konten ausgeschiedener oder länger abwesender Mitarbeitender zählt zu den häufig nachgefragten Beratungsthemen im Beschäftigtendatenschutz. Im Zentrum steht die Frage, ob und unter welchen Voraussetzungen Arbeitgeber:innen auf betroffene Postfächer zugreifen dürfen. Prävention durch klare Prozesse Verantwortliche sollten datenschutzrechtlichen Konflikten bereits durch organisatorische Weichenstellungen vorbeugen. Zu prüfen ist zunächst, ob personalisierte Postfächer überhaupt
Mehr erfahren -
Auskunftsrecht nach Art. 15 DS-GVO gegenüber Rechtsanwält:innen
Beschwerden über unbeantwortete oder unvollständig beantwortete Auskunftsersuchen gegenüber Kanzleien und Einzelanwält:innen gehören zu den regelmäßig auftretenden Fallkonstellationen der Aufsichtspraxis. Im Fokus steht zumeist die Frage der Reichweite des Auskunftsrechts betroffener Personen gegenüber Berufsgeheimnisträger:innen. Grundsatz: DS-GVO gilt auch für Rechtsanwält:innen Rechtsanwält:innen unterliegen als Verantwortliche im Sinne der DS-GVO grundsätzlich uneingeschränkt deren Vorgaben und müssen geeignete Maßnahmen
Mehr erfahren -
Kein Auskunftsverweigerungsrecht juristischer Personen gegenüber Aufsichtsbehörden
Das VG Berlin (VG Berlin, Urteil vom 9. Oktober 2025, VG 1 K 607/22) hat in einem noch nicht rechtskräftigen Urteil die aufsichtsbehördlichen Auskunftsbefugnisse nach Art. 58 Abs. 1 lit. a DS-GVO bestätigt und konkretisiert. Ausgangsfall: Adressvermietung ohne Rechtsgrundlage Hintergrund war die Verwarnung eines Buchverlags, der Kundendaten ohne Einwilligung und ohne sonstige gesetzliche Grundlage zu
Mehr erfahren


