Schadensersatz ist kein Reflex aus Verstoß gegen DS-GVO
Einige von der Datenschutzwelt mit Spannung erwartete Urteile des Europäischen Gerichtshofes wurden am 04. Mai 2023 veröffentlicht.
Urteil des Gerichtshofs in der Rechtssache C-300/21 | Österreichische Post (Immaterieller Schaden im Zusammenhang mit der Verarbeitung personenbezogener Daten)
Dieses Urteil des Gerichtshofs befasst sich mit dem Schadenersatzanspruch gemäß der DS-GVO. Es wird betont, dass dieser Anspruch nur bei drei kumulativen Voraussetzungen geltend gemacht werden kann:
- einem Verstoß gegen die DS-GVO,
- einem daraus resultierenden materiellen oder immateriellen Schaden
- und einem Kausalzusammenhang zwischen beiden.
Ein bloßer Verstoß gegen die DSGVO reiche somit nicht aus, um einen Schadenersatzanspruch zu begründen. Im Gegensatz zu anderen in der DS-GVO vorgesehenen Rechtsbehelfen, bei denen kein individueller Schaden nachgewiesen werden muss. Der Schadenersatzanspruch sei auch nicht auf immaterielle Schäden beschränkt, die eine gewisse Erheblichkeit erreichen, da eine solche Beschränkung dem weiten Verständnis des Begriffs „Schaden“ in der DS-GVO widersprechen würde. In Bezug auf die Regeln für die Bemessung des Schadenersatzes betont der Gerichtshof, dass die DS-GVO keine Bestimmungen dazu enthält und dass es daher Sache der einzelnen Mitgliedstaaten ist, Klageverfahren und Kriterien zur Ermittlung des Schadensumfangs festzulegen. Der Schadenersatzanspruch solle sicherstellen, dass ein vollständiger und wirksamer Schadenersatz für erlittene Schäden gewährleistet wird.
Pressemitteilung des EuGH
Vollständiges Urteil des EuGH
(Foto: Zerbor – stock.adobe.com)
Letztes Update:07.05.23
Verwandte Produkte
Das könnte Sie auch interessieren
-
Folge 83: Psychologie im Spiegel der KI
Die Haltung der Menschen zu KI wandelt sich nach dem Befund des Psychologen Stephan Grünewald. Aus dem Zauberstab des „Allmachts-Boosters“ sei eine Bedrohung geworden. KI sei zwischen „persönlichem Heinzelmann und gefügigem Traumpartner“ gestartet: „Was kann ich noch selbst? Und wer bin ich überhaupt noch?“. Diese Fragen stellen sich für den Menschen. Wie hätte man vor
Mehr erfahren -
Folge 86: KI-Daten-Wirtschaft – Der Parlamentarische Abend der GDD im Rückblick
Im Dezember 2025 hat die GDD zum Parlamentarischen Abend in der Deutschen Parlamentarischen Gesellschaft in Berlin eingeladen. Unter der Schirmherrschaft von MdB Günter Krings haben Thomas Jarzombek, Parlamentarischer Staatssekretär im BMDS, Dr. Daniela Brönstrup, Vizepräsidentin der BNetzA, und DSK-Chef Tobias Keber, VAUNET-Chef Claus Grewenig, der Neuropathologe Felix Sahm und Kristin Benedikt diskutiert, moderiert von Rolf
Mehr erfahren -
EuGH: Banken haften auch ohne Verurteilung ihrer Organmitglieder
Der Europäische Gerichtshof hat mit Urteil vom 29. Januar 2026 (C-291/24) entschieden, dass die EU-Geldwäscherichtlinie einer nationalen Regelung entgegensteht, die Sanktionen gegen juristische Personen von der förmlichen Feststellung der Schuld natürlicher Personen abhängig macht. Das Urteil stärkt die Durchsetzbarkeit von Compliance-Anforderungen im Finanzsektor. Ausgangssachverhalt aus Österreich Die österreichische Finanzmarktaufsicht (FMA) hatte gegen die Steiermärkische Bank
Mehr erfahren



