Due Diligence beim Unternehmensverkauf: Datenschutzrechtliche Anforderungen

Due Dilligence

Die liechtensteinische Datenschutzstelle hat Leitlinien zur datenschutzkonformen Durchführung von Due Diligence-Prüfungen bei Unternehmensverkäufen veröffentlicht. Im Spannungsfeld zwischen dem Transparenzinteresse von Käufer und Verkäufer sowie den Schutzinteressen betroffener Personen bedarf es einer sorgfältigen Abwägung.

Datenminimierung als Leitmaxime

Zentrale Anforderung ist die Beachtung des Grundsatzes der Datenminimierung und Verhältnismäßigkeit nach Art. 5 Abs. 1 lit. c DS-GVO. Die Offenlegung personenbezogener Daten darf nur erfolgen, soweit sie für die Due Diligence-Zwecke unerlässlich und verhältnismäßig ist. Die Datenschutzstelle formuliert eine klare Faustregel: Reduzieren, Aggregieren, Anonymisieren. Wo immer möglich, sollten Daten anonymisiert oder zumindest aggregiert werden. Statistische Durchschnittswerte – etwa zum Durchschnittsalter, zur Betriebszugehörigkeit oder Lohnstruktur – genügen häufig zur Unternehmensbewertung. Detaillierte Einzelangaben zu Mitarbeitenden sind regelmäßig nur für das oberste Management erforderlich.

Rechtsgrundlage und Interessenabwägung

Als Rechtsgrundlage kommt typischerweise das berechtigte Interesse gemäß Art. 6 Abs. 1 lit. f DSGVO in Betracht. Zwingend erforderlich ist jedoch eine sorgfältige Interessenabwägung im konkreten Einzelfall. Nur wenn die Datenverarbeitung zur Wahrung des berechtigten Interesses erforderlich ist und die schutzwürdigen Interessen der Betroffenen nicht überwiegen, darf diese Rechtsgrundlage herangezogen werden. Fällt die Abwägung negativ aus, müssen Daten anonymisiert, pseudonymisiert oder eine Einwilligung nach Art. 6 Abs. 1 lit. a DS-GVO eingeholt werden. Pseudonymisierung kann Risiken reduzieren und die Interessenabwägung erleichtern, wobei pseudonymisierte Daten weiterhin personenbezogen bleiben und der DS-GVO vollumfänglich unterliegen.

Share Deal vs. Asset Deal

Datenschutzrechtlich entscheidend ist die Transaktionsstruktur: Bei einem Share Deal bleibt der Verantwortliche unverändert, sodass zunächst keine Anpassung der Datenschutzdokumentation erforderlich ist. Bei einem Asset Deal hingegen wechselt die Verantwortlichkeit. Hier müssen Rechtsgrundlagen und Transparenzpflichten sorgfältig geprüft werden. Besonders beim Kundenstammtransfer ist vorab eine Information und Zustimmung der Betroffenen oder zumindest ein aktives Opt-out-Recht erforderlich. Der neue Verantwortliche muss anschließend gemäß Art. 13 und 14 DS-GVO informieren.

Bei grenzüberschreitenden Sachverhalten sind zusätzlich die Regelungen zum internationalen Datentransfer nach Kapitel V DS-GVO zu beachten.

(Foto: nabila – stock.adobe.com)

Letztes Update:08.02.26

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