Vor-Ort-Kontrolle der Aufsichtsbehörde: Wie vorbereiten?
Die Landesbeauftragte für den Datenschutz (LfD) Niedersachsen, Barbara Thiel, hat am 02.06.2022 im Innenausschuss des Niedersächsischen Landtags ihren Tätigkeitsbericht für 2021 vorgestellt. Darin berichtet sie über die Nachkontrollen, die im Jahr 2021 abgeschlossen werden konnten, nachdem diese bereits anlässlich der Querschnittsprüfung von Wirtschaftsunternehmen aus dem Jahre 2018 initiiert worden waren (Abschnitt 6.1.).
Hilfreich sind die Hinweise der LfD Niedersachsen, wie sich Verantwortliche auf Vor-Ort-Kontrollen vorbereiten sollten:
Es ist insbesondere ratsam,
• die vorhandene Datenschutzdokumentation zu sichten, Lücken zu identifizieren und zu füllen;
• zu prüfen, ob die Dokumente aktuell sind oder ob sich seit der Erstellung der Dokumente Veränderungen ergeben haben, die noch nicht berücksichtigt wurden;
• die Dokumentation so zu ordnen, dass während der Vor-Ort-Kontrolle Unterlagen auf Anfrage unmittelbar vorgelegt werden können;
• die eigene Dokumentation auf Widersprüche zu prüfen;
• Abweichungen von den einschlägigen Veröffentlichungen meiner Behörde, der Datenschutzkonferenz und des Europäischen Datenschutzausschusses zu prüfen;
• den Datenschutzbeauftragten des Unternehmens bei der Vorbereitung eng einzubinden;
• ggf. einen externen Datenschutzberater einen unbefangenen Blick auf die Umsetzung des Datenschutzrechts im Unternehmen werfen zu lassen;
• die Verfügbarkeit der Verantwortlichen aus den jeweiligen Fachbereichen für den Kontrolltermin sicherzustellen, die tiefergehende Nachfragen zu einzelnen Verarbeitungstätigkeiten beantworten können;
• einen Umsetzungsplan zu erstellen, welcher der Aufsichtsbehörde vorgelegt werden kann, falls bis zur Vor-Ort-Kontrolle nicht alle Dokumente erstellt oder technisch-organisatorischen Maßnahmen implementiert werden konnten.
Wie anschließend das weitere Verfahren verlaufe und ob es zu einem Bußgeld und/oder aufsichtsbehördlichen Maßnahmen komme, sei immer eine Frage des Einzelfalls und hänge von den in der Vor-Ort-Kontrolle gemachten Feststellungen ab.
Stelle ich bei einer Vor-Ort-Kontrolle fest, dass das Unternehmen ein umfassendes Datenschutz-Management implementiert hat, ist es im Nachgang oft nicht erforderlich von den aufsichtsbehördlichen Befugnissen aus Art. 58 Abs. 2 DS-GVO Gebrauch zu machen oder es ist ausreichend, eine Verwarnung auszusprechen, so die LfD. Vereinzelte, nicht besonders schwerwiegende Mängel könnten dann nach der Kontrolle behoben und der Behörde nachgewiesen werden. Sei hingegen nicht absehbar, wann und wie Mängel abgestellt werden sollen oder werden gravierende Mängel festgestellt, ließen sich aufsichtsbehördliche Maßnahmen nur noch schwer vermeiden.
Die Landesbeauftragte für den Datenschutz (LfD) Niedersachsen
(Foto: Suphachai – stock.adobe.com)
Letztes Update:06.06.22
Verwandte Produkte
-
Strategischer Umgang mit Bußgeldbescheiden und Verbandssanktionengesetz
Seminar
940,10 € Mehr erfahren
Das könnte Sie auch interessieren
-
Auskunft nach Art. 15 DS-GVO: Akteneinsicht ersetzt keine Auskunft
Ein Gericht muss einer Prozessbeteiligten auf Antrag eine vollständige Kopie ihrer personenbezogenen Daten aus den Verfahrensakten überlassen. Eine Übersicht der Verfahren und ein Verweis auf die allgemeinen Datenschutzhinweise reichen dafür nicht aus. Das hat das VG Berlin mit Urteil vom 05.08.2026 (Az. 42 K 50/25) entschieden. Sachverhalt Die Klägerin führte mehrere Verfahren vor einem Finanzgericht
Mehr erfahren -
Soziale Netzwerke: Eckpunkte für den Kinder- und Jugendmedienschutz
Das Bundeskabinett hat am 14.10.2026 Eckpunkte für einen besseren Kinder- und Jugendmedienschutz beschlossen. Vorgelegt hat sie das Bundesministerium für Bildung, Familie, Senioren, Frauen und Jugend (BMBFSFJ). Sie sollen die 56 Handlungsempfehlungen umsetzen, die die Expertenkommission „Kinder- und Jugendschutz in der digitalen Welt“ am 11.09.2026 vorgelegt hat. Mindestalter und abgestufte Nutzung Kinder unter 13 Jahren sollen
Mehr erfahren -
Bußgeld gegen IT-Dienstleister wegen fehlendem Sicherheits-Monitoring
Die schwedische Datenschutzaufsicht IMY hat gegen den IT-Dienstleister Miljödata i Karlskrona AB ein Bußgeld von 1,8 Mio. SEK (rund 160.000 Euro) verhängt. Nach einem Cyberangriff waren Daten von rund 2,2 Mio. Personen im Darknet veröffentlicht worden. Die Behörde sah einen Verstoß gegen Art. 32 Abs. 1 DS-GVO (Beschluss vom 22.09.2026, Dnr. IMY-2025-21177). Miljödata betreibt webbasierte
Mehr erfahren




