Datenpannenmanagement: LDI NRW identifiziert strukturelle Schwachstellen

Incidentmanagement im Krankenhaus

Keine Datenpanne in zwei Jahren – klingt gut, ist aber verdächtig. Zu diesem Schluss kommt die Landesbeauftragte für Datenschutz und Informationsfreiheit NRW (LDI NRW) nach einer Befragung von 33 Kliniken zum Umgang mit Datenschutzvorfällen. Das Ergebnis zeigt ein gemischtes Bild: solide IT-Sicherheitsstandards auf der einen, mögliche Lücken im internen Meldewesen auf der anderen Seite.

Untersuchungsgegenstand und Methodik

Die LDI NRW befragte 23 Krankenhäuser der Landschaftsverbände Westfalen-Lippe und Rheinland sowie die zehn NRW-Universitätskliniken. Der Fokus auf Kliniken begründet sich mit der besonderen Sensibilität der dort verarbeiteten Gesundheitsdaten, bei denen Datenverluste besonders schwerwiegende Folgen haben können.

Positiv: Geringe Cyberangriffslast, proaktive Betroffeneninformation

Verglichen mit anderen Sektoren sind Kliniken wenig von Cyberangriffen betroffen – ein Befund, den die LDI NRW auf bereits implementierte IT-Sicherheitsstandards zurückführt. Die häufigsten Datenpannen waren Fehlversendungen und unbefugte Datenweitergaben. Bemerkenswert positiv ist, dass in 21 Prozent (2023) bzw. 13 Prozent (2024) der Fälle betroffene Personen auch dann informiert wurden, wenn keine rechtliche Benachrichtigungspflicht bestand. Dieser Ansatz wird von der Landesbeauftragten Bettina Gayk ausdrücklich begrüßt.

Kritisch: Null-Meldungen als Warnsignal

Zwölf der befragten Einrichtungen gaben an, in den Jahren 2023 und 2024 keine einzige Datenpanne verzeichnet zu haben. Die LDI NRW wertet dies als Hinweis auf unzureichende interne Meldeprozesse: Vorfälle dürften direkt mit Betroffenen geklärt worden sein, ohne die vorgeschriebenen internen Dokumentationspflichten zu erfüllen.

Für Datenschutzverantwortliche in Gesundheitseinrichtungen ist dies ein zentraler Hinweis: Auch Datenpannen mit lediglich geringem Risiko müssen intern dokumentiert werden. Die Dokumentation dient nicht nur zur Erfüllung aufsichtsbehördlicher Anforderungen, sondern auch um Häufungen in bestimmten Bereichen zu erkennen und das Pannenmanagement gezielt weiterzuentwickeln.

Empfehlung der Aufsichtsbehörde

Landesbeauftragte Gayk empfiehlt regelmäßige Schulungen der Beschäftigten zu meldepflichtigen Sachverhalten und zu internen Meldewegen als wesentliche Maßnahme zur Verbesserung des Datenpannenmanagements.

(Foto: Suriyo – stock.adobe.com)

Letztes Update:28.05.26

  • Testament mit geschwärzten Zeilen

    408.000 Euro Bußgeld wegen fehlenden Datenschutzes durch Technikgestaltung

    Die spanische Datenschutzbehörde AEPD hat gegen die CaixaBank Geldbußen von insgesamt 510.000 Euro festgesetzt (Verfahren PS-00028-2025). Die Bank hatte bei der Abwicklung von Erbfällen standardmäßig mehr Daten verlangt als erforderlich und die Erben unzureichend informiert. Da sie die Geldbuße freiwillig vorab bezahlte, ermäßigte sich der Betrag um 20 Prozent auf 408.000 Euro. Sachverhalt Nach dem

    Mehr erfahren
  • Papierakten im Müll in einem Büro

    Verlorene Papierakte: DS-GVO greift, Schadensersatz aber nicht

    Auch Papierakten können unter die DS-GVO fallen. Wenn eine solche Akte verschwindet, begründet das aber nicht automatisch einen Anspruch auf Schmerzensgeld. Das hat das LG Magdeburg mit Urteil vom 25.06.2026 (Az. 10 O 1894/25) entschieden. Das Urteil ist rechtskräftig. Sachverhalt Bei einem Fachaufsichtsbesuch in der JVA Burg fiel auf, dass ein Ordner mit der Einsatzakte

    Mehr erfahren
  • Ortungsdienst auf dem Handy: Auf dem linken Handy ist der Schalter auf aus, auf dem rechten auf an

    Standortdaten: 403 Millionen Euro Bußgeld gegen Google

    Die irische Datenschutzbehörde (DPC) hat am 21.09.2026 ein Bußgeld von 403 Millionen Euro gegen Google Ireland verhängt. Gegenstand ist die Verarbeitung von Standortdaten über die Kontoeinstellungen „Location History“, „Web & App Activity“ und „Location Accuracy“ im Zeitraum von Mai 2018 bis Februar 2020. Das Verfahren ging auf Beschwerden europäischer Verbraucherverbände zurück, darunter der europäische Dachverband

    Mehr erfahren
WordPress Cookie Hinweis von Real Cookie Banner