KI im Justizbetrieb: Leitlinien für verantwortlichen Einsatz
Im Februar 2025 veröffentlicht die Sedona Conference Journal-Edition Volume 26 die Leitlinien „Navigating AI in the Judiciary“, verfasst von fünf Richterpersönlichkeiten und einer KI-Expertin. Sie richten sich an gerichtliche Entscheidungsträger*innen und ihr Umfeld in den US-amerikanischen Bundes- und Landesgerichten. Ziel ist es, einen praxisnahen Orientierungsrahmen für den KI- und insbesondere GenAI-Einsatz im Justizbetrieb zu etablieren.
Grundprinzipien für den Einsatz
Die Leitlinien betonen, dass gerichtliche Autorität ausschließlich bei Richter:innen liegt – KI darf diese nicht ersetzen. Sie soll die Justiz unterstützen, nicht deren Unabhängigkeit oder Integrität gefährden. Richter:innen bleiben fachliche und ethische Verantwortungsträger:innen, einschließlich der kritischen Überprüfung von KI-generierten Ergebnissen.
Grenzen der KI und Risikobewusstsein
Generative KI erzeugt Inhalte auf Grundlage komplexer Trainingsdaten – allerdings ohne juristische Urteilskraft oder Verlässlichkeit. Der Text weist auf typische Fehlerquellen wie „Halluzinationen“ (plausibel klingende, aber unzutreffende Ausgabe), Automationsbias (Blindes Vertrauen in KI-Ergebnisse) sowie Bestätigungsfehler (Fokus auf Informationen, die eigene Vorannahmen bestätigen) hin. Auch Vertraulichkeit, Datenschutz und das Potenzial zur Offenlegung sensibler Informationen über Prompts müssen berücksichtigt werden.
Zulässige Einsatzbereiche unter Aufsicht
Trotz der Einschränkungen dürfen KI-Technologien nach Auffassung der Autoren unterstützend genutzt werden – stets unter menschlicher Kontrolle – etwa für:
- Legal Research (mit zuverlässiger Datenbasis)
- Zusammenfassungen von Schriftsätzen, Zeugenaussagen, Akten oder Beweismitteln
- Entwürfe für Routinebeschlüsse
- Korrekturlesen und Formatkontrolle
- Erstellung von Zeitplänen, Dokumentenorganisation oder Barrierefreiheitshilfen
Dynamischer Orientierungsrahmen
Die Leitlinien sind als lebendes Dokument konzipiert: Sie sollen regelmäßig angepasst werden, um mit technologischen Fortschritten, besserer Zuverlässigkeit von KI-Tools und neuen rechtlichen bzw. ethischen Erkenntnissen Schritt zu halten. Zentral bleibt dabei: Jede KI-Ausgabe muss letztlich vom Menschen verifiziert werden.
(Foto: asadykov – stock.adpobe.com)
Letztes Update:31.08.25
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