Datenschutz in der medizinischen Forschung

Datenschutz in der medizinischen Forschung

Ddie Deutsche Gesellschaft für Innere Medizin (DGIM) und der Hessische Beauftragte für Datenschutz und Informationsfreiheit (HBDI) haben im Dezember 2025 einen gemeinsam erarbeiteten Leitfaden zur datenschutzkonformen Nutzung von Gesundheitsdaten in der medizinischen Forschung vorgelegt. Ziel ist es, Forschenden eine praxisnahe und rechtssichere Anleitung zu bieten, damit Studien mit sensiblen Patientendaten im Einklang mit der Datenschutz‑Grundverordnung (DSGVO) und nationalen Anforderungen realisiert werden können.

Anlass und Intention

Gesundheitsdaten zählen zu den sensiblen personenbezogenen Daten und unterliegen daher erhöhten Schutzanforderungen. Viele Forschungsprojekte sehen sich jedoch mit Unsicherheiten konfrontiert – insbesondere bei Fragen zur Datenweitergabe, Einwilligungen, Pseudonymisierung oder Multicenter‑Zusammenarbeit. Der neue Leitfaden richtet sich ausdrücklich an Klinik‑ und Forschungsverbünde, die Gesundheitsdaten erheben, verarbeiten oder austauschen möchten.

Inhaltliche Schwerpunkte des Leitfadens

  • Einwilligung und Rechtsgrundlage: Der Leitfaden erläutert, wann und in welcher Form eine informierte Einwilligung erforderlich ist, und wie Dokumentation und Nachvollziehbarkeit zu gestalten sind.
  • Datenweitergabe und Zusammenarbeit: Für multizentrische Studien wird beschrieben, wie Verträge, Datenschutzkonzepte und technische Maßnahmen (z. B. Pseudonymisierung, föderierte Modelle) ausgestaltet sein sollten, um Datenaustausch regelkonform und datenschutzgerecht zu ermöglichen.
  • Verantwortlichkeiten und Dokumentation: Der Leitfaden weist auf die Notwendigkeit klarer Rollenverteilung und Verantwortlichkeiten hin – sowohl für Datenverarbeitung als auch für Dokumentationspflichten und Governance.
  • Praxisorientierte Beispiele: Anhand realer Fälle aus der Inneren Medizin veranschaulicht der Leitfaden, wie theoretische Anforderungen praktisch umgesetzt werden können – von der Studienplanung bis zur Datenverarbeitung und –weitergabe.

Bedeutung für Datenschutz- und Forschungs‑Praxis

Für Datenschutzbeauftragte, IT‑Sicherheitsbeauftragte und Verantwortliche in Forschungseinrichtungen stellt der Leitfaden eine konkrete Hilfestellung dar. Er erleichtert die Einschätzung, wie sensible Gesundheitsdaten im Rahmen von Studien datenschutzkonform genutzt werden können, ohne die wissenschaftliche Qualität und Machbarkeit zu gefährden. Damit stärkt das Dokument sowohl Datenschutz‑ als auch Ethik‑Compliance und könnte zugleich Hemmnisse für die Forschung abbauen.

Angesichts nationaler und europäischer Entwicklungen – z. B. mit Blick auf Datennutzungsgesetze und Gesundheitsdateninfrastrukturen – bietet der DGIM/HBDI‑Leitfaden einen fundierten Orientierungsrahmen für zukünftige Projekte.

(Foto: Murada – stock.adobe.com)

Letztes Update:06.12.25

  • Folge 90: KI Omnibus Update März 2026 reloaded: Reallabore Spezial

    Im DataAgenda-Podcast Folge 89 hat Kai Zenner über die anstehenden Änderungen der KI-Verordnung berichtet, die im August 2026 Geltung erlangen sollen. Einer der Gegenstände der Änderung betrifft das sog. New Legal Framework in Anhang 1. Die dort unter Abschnitt A aufgelisteten Harmonisierungsvorschriften führen zu einer Doppelregulierung. Deshalb sollen die dort aufgeführten Produkte in Abschnitt B

    Mehr erfahren
  • DataAgenda Podcast Cover Folge 89 mit Kai Zenner

    Folge 89: KI Omnibus Update März 2026

    Änderungen der KI-VO stehen in den Startblöcken. So wie es aussieht, wird das am 1. August 2024 in Kraft getretene EU-Gesetz geändert, noch bevor der Großteil der maßgeblichen Pflichten am 2. August 2026 Geltung erlangt. Kai Zenner, Büroleiter von MdEP Axel Voss berichtet am Tag der Ausschussabstimmung im Europäischen Parlament tagesaktuell von Zeitplan und Inhalten

    Mehr erfahren
  • DataAgenda Podcast Cove Folge 88 mit Dr. Judith Nink

    Folge 88: „NIS-2: Regulierung als Chance oder Bürokratiemonster?“

    Mit der fortschreitenden Digitalisierung wachsen nicht nur die Risiken für die Datensicherheit, sondern auch die regulatorischen Anforderungen. Dr. Judith Nink, Fachbereichsleiterin Cybersicherheit bei Unternehmen, Digitale Sicherheit beim Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnologie (BSI), erläutert NIS-2 im europäischen Regulierungskontext. Warum ist NIS-2 notwendig? Was ist zu tun? Wie können Unternehmen das Recht umsetzen und welche

    Mehr erfahren
WordPress Cookie Hinweis von Real Cookie Banner